Restaurierungsprojekt: Tornisterempfänger (Torn. E.b)

Hier ist das Bedienfeld zu sehen - noch etwas verdreckt, ansonsten aber komplett. Oben links haben die frühen Torn. E.b ein Spannungsmessgerät zur Kontrolle der Anoden- und Heizspannung. Dieses Drehspulen-Messinstrument wurde bei späten Geräten nicht mehr verbaut.

Hier ist das Bedienfeld zu sehen – noch etwas verdreckt, ansonsten aber komplett. Oben links haben die frühen Torn. E.b ein Spannungsmessgerät zur Kontrolle der Anoden- und Heizspannung. Dieses Drehspulen-Messinstrument wurde bei späten Geräten nicht mehr verbaut.

Gerade in der dunklen Jahreszeit machen mir Restaurierungsprojekte Freude. Aus dem Grund habe ich mir vorgenommen, einen alten Tornisterempfänger (Torn. E.b) der Wehrmacht zu restaurieren. Diese robusten Geradeausempfänger waren seinerzeit quasi das Funk-Arbeitstier des Militärs. Nach dem Krieg wurden viele Geräte von Behörden zunächst weitergenutzt. Aber auch Funkamateure erfreuten sich an den zuverlässigen Geräten. Leider sind heute unverbastelte Geräte eine Seltenheit. Um so mehr freute es mich, dass mein Torn E.b aus dem Jahr 1944 noch im Originalzustand ist. Geräte aus den späten Kriegsjahren gehören zur Klasse der sog. schweren Ausführung, da sie aus Zinkdruckguß hergestellt wurden. Die Torn.E.b frühere Produktionsjahre waren hingegen aus Alu-Guss. Leider ist das damals verwendete Zink nicht immer von guter Qualität gewesen – das hat zum Teil verheerende Auswirkungen auf einzelne Bauteile – dazu aber später mehr.

Zunächst habe ich am Empfänger eine Sichtprüfung durchgeführt, hier mal einige Bilder des Geräts.

Rückseite es Torn Eb: Links ist der HF-Teil, in der Mitte der Spulenrevolver, rechts der NF-Teil.

Rückseite es Torn. E. b: Links ist der HF-Teil, in der Mitte die Spulentrommel, rechts der NF-Teil.

Hier ist die HF-Baugruppe von der Seite zu sehen. Unter der unteren Blechabdeckung verbirgt sich der Drehko.

Hier ist die HF-Baugruppe von der Seite zu sehen. Unter der verschraubten Blechabdeckung verbirgt sich der Drehko.

Hier der Blick auf die gesamte NF-Baugruppe.

Hier der Blick auf die gesamte NF-Baugruppe.

HF-Teil, oberes Segment: Hier sind die Röhrenfassungen zu sehen (v.ln.r. HF1, HF2, Audion). Das Teil mit der Nummer 6 ganz rechts ist defekte Symetrierwiderstand, bei dem der Widerstandsdraht gerissen ist.

HF-Teil, oberes Segment: Hier sind die Röhrenfassungen zu sehen (v.ln.r. HF1, HF2, Audion). Das Teil mit der Nummer 6 ganz rechts ist der defekte Symetrierwiderstand, bei dem der Widerstandsdraht gerissen ist.

HF-Teil, oberes Segment - im HF1-Bereich (link) ist der Widerstand mit der Nr. 36 verkohlt und vermutlich defekt. Auch der Kondensator Nr 5 macht keinen guten Eindruck , da dort oben Teermasse ausgetreten ist.

HF-Teil, oberes Segment – im HF1-Bereich (links) ist der Widerstand mit der Nr. 36 verkohlt und vermutlich defekt. Auch der Kondensator Nr 5 macht keinen guten Eindruck , da dort oben Teermasse ausgetreten ist.

Der Becherelko (Nr. 50) des Audion (rechts) ist aufgebläht.

Der Becherelko (Nr. 50) des Audion (rechts) ist aufgebläht.

Der Becherelko Nr. 76 ist aufgebläht und vermutlich defekt. Auch die beiden drüber liegenden Bauteile mache keinen guten Eintruck. Der noch durchzuführende Komponetentest wird es zeigen.

Der Becherelko Nr. 76 ist aufgebläht und vermutlich defekt. Auch die beiden drüber liegenden Bauteile machen keinen guten Eintruck.
Der noch durchzuführende Komponetentest wird es zeigen.

 

Spulensegment Nr VIII hat es, neben Segment VI durch Zinkfraß getroffen. Wie zu erkennen ist, sind die Halterungen für den Keramikstab abgebrochen. Dieses Teil muss komplett getauscht werden.

Spulensegment Nr. VIII hat es, neben Segment Nr. VI, durch Zinkfraß getroffen – deutlich sind die Spannungsrisse zu erkennen. Wie zu sehen ist, sind die Halterungen für den Keramikstab abgebrochen. Dieses Teil muss komplett getauscht werden.

Spulensegment VIII: Die Auswirkung des Zinkfraßes sind nicht zu übersehen. Nach der Aufnahme ist die zu sehende Halterung der Keramik beim Drehen der Spulentrommel abgerissen.

Spulensegment VIII: Die Auswirkung des Zinkfraßes sind nicht zu übersehen. Nach der Aufnahme ist die abgebildete Halterung beim Drehen der Spulentrommel abgerissen.

Abgebrochene Halterungen des Spulensegments VIII.

Abgebrochene Halterungen des Spulensegments Nr. VIII.

Nach der Sichtprüfung haben sich folgende Mängel gezeigt:

Allgemein

  • Der Original-Lack der Kiste ist im Inneren stark am abplatzen – die rote Grundierung ist zu sehen
  • An der Transportkiste fehlen die Befestigungsschnallen für den Zubehörkasten

HF-Teil

  • Becherelko Nr. 50 ist aufgebläht – vermutlich ist er defekt
  • Der Symetrierwiderstand ist defekt, da der Widerstandsdraht gerissen ist
  • Zinkblüte hat an einem hinteren Teil der Baugruppe angefangen zu nagen (bisher nur oberflächig)
  • Widerstand Nr 36 im HF1-Bereich ist äusserlich schwarz angelaufen – vermutlich durchgeschmort
  • Kondensator Nr. 5 – dort ist Teer ausgetreten

 

NF-Teil

  • Der Becherelko Nr. 76 ist aufgebläht und vermutlich defekt
  • Die davor sitzenden Bauteile sind verkohlt und vermutlich ebenfalls defekt

 

Spulenrevolver

  • Die beiden Spulensegmente VI und VIII sind vom Zinkfraß befallen und sind beim Versuch die Spulentrommel einmal über alle Frequenz-Einstellbereiche zu drehen zum Teil gebrochen. Ich werde mindestens diese beiden Segmente ersetzen müssen.

Nun gehe ich daran, mir Ersatzteile für die beiden Spulensegmente zu beschaffen. Parallel werde ich mit der ersten, vorsichtigen Reinigung beginnen und die Bauteile auf Funktionsfähigkeit testen.

Eine große Hilfe ist die großartige, 2-bändige Dokumentation von Wolfgang Schröer (DL7HZ), die mir schon jetzt eine wertvolle Informationsquelle ist. Das über 600-seitige Werk zum Torn. E.b kann direkt beim Autor bezogen werden – hier geht es zu seiner Website.

 

 

Soweit aus der Bastelkammer…

Horrido und stay tuned.

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