Schmidt-Rubin Karabiner K11: Zweibeinhalterung und Riegelgriff selbst gebaut

 

Er ist legendär – der schweizerische Karabiner Modell K11. Der 1911 erschienene Karabiner mit dem typischen Geradzugverschluss ist noch heute ein wirklich präzise schießendes Gerät – und das nach über 100 Jahren. In der Schweiz ist der K11 bzw. sein direkter Nachfolger der K31 ein sehr beliebtes Gewehr, mit dem neben klassischen 100m- und 300m-Ordonanz-Disziplinen auch Long-Range-Schießen bis 900m (kaliberbedingt sind max. nur 900m mit der 7,5×55 Patronen und dem Schmidt-Rubin machbar) durchgeführt wird.

Für eine sinnvolle Long-Range-Verwendung muss der K11 allerdings etwas aufgerüstet werden, um vernünftig damit in Stellung gehen zu können und brauchbare Resultate zu erreichen. Von Hause aus ist der K11 nämlich ohne Zweibein oder Zweibein-Befestigungsmöglichkeit ausgestattet. Zudem fehlt es ihm an einer Mündungsbremse, einer Zielfernrohr-Befestigungsschiene oder -punkten und einer verstellbaren Wangenauflage.

Einige der o.g. Teile wie beispielsweise ZF-Montage und Mündungsbremse sind über Swiss Products aus den USA für den K11 zu bekommen. Doch damit endet leider die am Markt erhältliche Auswahl – denn die Mehrheit der Zurüstteile gibt es für den K31, die aber leider nicht am K11 verwendet werden können.

Daher musste ich mich mit dem Gedanken anfreunden, einige Teile in Eigenregie anzufertigen, um mit dem K11 sinnvoll und einigermaßen komfortabel Long-Range-Schießen zu können.

 

Ein neuer Riegelgriff

Das Update des K11 habe ich zunächst mit einem neuen Riegelgriff begonnen. Denn an meinem Karabiner waren die rot-farbigen Teile an den äußeren Enden abgebrochen. Um den Geradzug-Riegel besser greifen zu können, habe ich den Riegelgriff gleich etwas größer dimensioniert und statt aus Kunststoff aus Flugzeug-Aluminium (7075) hergestellt. So ist das Bauteil solide und sieht auch noch ansprechend aus.

Der original Riegelgriff ist leider defekt.

 

K11-Riegel ohne Griffe.

 

CAD-Modell der neuen Riegelgriff-Teile.

 

CAD-Schnittmodell der beiden Riegelgriff-Bauteile.

 

Die neuen Riegelgriffteile sind aus 7075-Aluminium gefertigt. Vorne ist eine alte Riegelgriffhälfte zu sehen.

 

Der neue Riegel-Griff ist montiert. Damit ist eine Betätigung des Verschlusses erheblich einfacher und angenehmer.

 

Die Zweibeinhalterung

Meine Grundüberlegung war, eine Montagemöglichkeit am K11 zu schaffen, an der ich ein Zweibein, welches über eine Picantinny-Rail-Befestigung verfügt, anbringen kann. Fertige Picantinny-Rails kann man günstig beschaffen. Also blieb noch eine Halterung zu entwerfen, die am Karabiner befestigt wird und gleichzeig eine entsprechende Picantinny-Rail aufnimmt. Die Rail sollte nicht zu kurz sein, damit später ein guter Befestigungspunkt ggf. durch Verschiebung des Zweibeins an der Waffe gefunden werden kann. Aus meiner Sicht boten sich als Befestigungspunkte am K11 das Oberband mit Bajonetthalterung und das Unterband mit dem Riemenbügel an.

K11-Schautafel aus altem Handbuch – dort sind Ober- und Unterband gut zu erkennen.

 

Das Oberband des K11. Die Bajonett-Aufnahme ist vorne zu erkennen.

 

Das Unterband am K11.

 

Zwischen diesen beiden Punkten konstruierte ich eine passende Halteschiene. Als Material wählte ich Flugzeugaluminium 7075, um übermäßig hohes Neugewicht zu vermeiden aber dennoch ausreichend Stabilität und Haltbarkeit zu erzielen.

CAD-Modell der konstruierten Zweibeinhalteschiene für den K11.

CAD-Modell aus einem anderen Blickwinkel.

Die Halterung ist so ausgelegt, dass das vordere Ende in die Bajonetthalterung greift und das hinteren Ende mittels Schraube am Unterband fixiert wird. Die Picantinny-Rail ist auf der Halterung mittels M5-Schrauben, die mit Loctite gesichert sind, verschraubt.

Blick auf das Oberband des K11 mit der fertigen Zweibeinhalterung.

 

Fertige K11 Zweibeinhalterung am Unterband befestigt.

 

Gesamtansicht der montierten Zweibeinhalterung.

 

Seitenblick.

 

Das eingeklappte Harris Zweibein an der Zweibeinhalterung des K11.

 

Ausgeklapptes Harris-Zweibein am K11 montiert.

 

Gesamtansicht des K11 mit eingeklappten Harris-Zweibein.

Nach ca. 5 Stunden in der Bastelkammer war die Halterung hergestellt. Für ein besseres Finish und längere Haltbarkeit bekam das Bauteil nach der Anfertigung noch eine Pulverbeschichtung in RAL-9005.

 

Hier mal einige Impressionen aus der Bastelkammer, die den Herstellungsprozess zeigen:

Anfertigung der Halterung

Zusägen des Rohteils für die Zweibeinhalterung.

 

Das 10mm starke 7075-Alu ist grob zugesägt.

 

Um die Montage rechtwinkelig und parallel zu bekommen wird etappenweise die Seitenfläche gefräst.

 

Die Stirnseite für die Oberband-Montage wird gefräst.

 

Für die Bajonett-Halterung am Oberband wird die Passung gefräst.

 

Die Aufnahme-Nut der Unterband-Seite wird gefräst.

 

Die Aussparung für die Klemmung.

 

Und die große Ausfräsung für die Klemmungsschenkel.

 

Die Querbohrung, um die Halterung am Unterband mittels Schraube zu befestigen, wird in einem Durchgang gebohrt.

 

Die zugekaufte Picantinny-Rail muss an der Unterseite noch bearbeitet werden.

 

Probemontage

Die frisch hergestellte Halterung wird probemontiert.

 

Seitenansicht der noch unlackierten Halterung.

 

Die unlackierte Zweibeinhalterung und der neue Riegelgriff am K11…

 

Pulverbeschichtung

Der Pulverlack…

 

Die Zweibeinhalterung nach der Pulverbeschichtung.

 

Der Lack wird in einem alten Pizza-Ofen bei 190 °C eingebrannt.

 

FERTIG

Vergleich: Oben ist das gedruckte Modell (zweigeteilt, da der Druckerbauraum in der Fläche nicht ausreichte) und im Vordergrund das fertige Bauteil zu sehen.

 

Fertig! Die Zweibein-Aufnahme.

 

Fertige Zweibeinhalterung aus einer anderen Perspektive…

 

Wie geht es weiter?

Ich gehe nun an die Wangen-Auflage. Diese wird zunächst konzipiert und anschließend als Muster am 3D-Drucker gedruckt, um konkrete Dimensionen und nötige Anpassungen direkter erkennen zu können.

Also, horrid und stay tuned!

 

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